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1961: Und plötzlich war die Mauer da

In der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961 begannen die NVA, 5000 Angehörige der Deutschen Grenzpolizei, 5000 Angehörige der Schutz- und Kasernierten Volkspolizei und 4500 Angehörige der Betriebskampfgruppen die Straßen und Gleiswege nach West-Berlin abzuriegeln.

Auf beiden Seiten rechnete man mit Komplikationen. Der Ministerpräsident der Sowjetunion, Chruschtschow, kündigte am 7. August 1961 eine Verstärkung der sowjetischen Streitkräfte an den Westgrenzen und die Einberufung von Reservisten an. In der DDR beschloss der Ministerrat am 12. August den Einsatz der „bewaffneten Organe“ zur Besetzung der Grenze zu Westberlin.

Der BND erhielt am 12. August 1961 folgende Meldung:

„Am 11. August 1961 hat eine Konferenz der Parteisekretäre der parteigebundenen Verlage und anderer Parteifunktionäre beim Zentralkomitee der SED (ZK) stattgefunden. Hier wurde u. a. erklärt: […] Die Lage des ständig steigenden Flüchtlingsstroms mache es erforderlich, die Abriegelung des Ostsektors von Berlin und der SBZ in den nächsten Tagen – ein genauer Tag wurde nicht angegeben – durchzuführen und nicht, wie eigentlich geplant, erst in 14 Tagen.“

Der „Tag X“ fiel auf die Nacht vom 12. auf den 13. August. Die NVA, 5000 Angehörige der Deutschen Grenzpolizei, 5000 Angehörige der Schutz- und Kasernierten Volkspolizei so wie ca. 4500 Angehörige der Betriebskampfgruppen begannen die Straßen und Gleiswege nach West-Berlin abzuriegeln. Die sowjetischen Truppen waren an den alliierten Grenzübergängen präsent und hielten sich in Gefechtsbereitschaft.

Alle noch bestehenden Verkehrsverbindungen zwischen den beiden Teilen Berlins wurden unterbrochen. Dies betraf allerdings nur noch die U-Bahn und die S-Bahn wobei jedoch die West-Berliner S-Bahn- und U-Bahn-Linien auf den Tunnelstrecken unter Ost-Berliner Gebiet nur insoweit betroffen waren, dass die Stationen abgesperrt wurden und ein Ein- bzw. Ausstieg nicht mehr möglich war. Die Züge fuhren deshalb ab dem 13. August abends ohne planmäßigen Halt durch die zu sogenannten „Geisterbahnhöfen“ gewordenen Stationen. Nur die den Bahnhof Friedrichstraße berührenden Linien hatten einen Halt zum Erreichen der dort eingerichteten Grenzübergangsstelle.

Für die Planung des „Mauerbaus“ war der damalige ZK-Sekretär Erich Honecker verantwortlich.

Die Bezeichnung eines einzelnen Tages als „Bau der Mauer“ ist vollkommen unzutreffend, da an diesem Tag „nur“ die Sektorengrenze abgeriegelt wurde. Vielfach wurde zunächst nur ein Zaun errichtet bzw. Hauseingänge zugemauert.

In den Tagen nach dem Mauerbau kam es zu vielfachen Fluchtversuchen, zum Teil aus den Fenstern der unmittelbar auf der Grenze stehenden Häuser, wo Zug um Zug zunächst die Fenster der unteren Geschosse zugemauert wurden um später die Häuser ganz abzureißen. Bis zum September 1961 desertierten allein von den eingesetzten Sicherungskräften 85 Mann nach West-Berlin, außerdem gab es 216 gelungene Fluchtversuche von 400 Menschen. Unvergessen sind bekannt gewordene Bilder von an Bettlaken aus den angrenzenden Häusern herabgelassenen Flüchtlingen, einer alten Frau, die in ein Sprungtuch der West-Berliner Feuerwehr fällt und dem den Stacheldraht überspringenden jungen Grenzpolizisten Conrad Schumann in der Bernauer Straße.

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