Auflösung und Entwaffnung der Kampfgruppen

Mit dem Aufkommen der Entspannungspolitik unter Honecker verloren auch die Kampfgruppen zusehends an militärischer Bedeutung.

Nach Unterlagen der Militärakademie der NVA waren die Kampfgruppen für die Eingliederung in die NVA als reguläre Gefechtseinheiten vorgesehen. Sie nahmen daher auch an Manövern der NVA teil. Das Mindestalter der freiwilligen Mitglieder betrug 25 Jahre. Bewaffnet waren die Kampfgruppen mit Pistolen, Sturmgewehren AK-47, Maschinenpistolen, MGs, Granatwerfern, leichten Panzerabwehr- und Flakgeschützen bis hin zu leichten Schützenpanzern. Innerhalb der Kampfgruppen wurde zwischen Kampf- und Sicherungskräften unterschieden.

Nach der Ablösung von Walter Ulbricht als Staatsratsvorsitzender der DDR durch Erich Honecker setzte dann aber eine Politik der Entspannung und Verständigung mit der BRD ein. Die Angst vor einem dritten Weltkrieg wich ein Stück aus dem Bewusstsein und die Kampfgruppe war irgendwann mehr eine „letzte Reserve“, eine bunte Truppe, die allzu oft zum schmunzeln anregte.

Der Beitritt zu den Kampfgruppen hatte aber, wie so oft in der DDR, pragmatische Gründe. Es gab Vergünstigungen und viele Feste. Und ein erhöhtes Ansehen war schon immer gut für das eigene Ego. Nach 25 Jahren Dienst bei den Kampfgruppen wurden zudem 100 Mark mehr Rente ausgezahlt. Das war schon eine gute Motivation um ein paarmal jährlich durch das Gelände zu robben.

Die militätischen Aufgaben der Kampfgruppe wurden oft genug herunter geleiert, aber so richtig glaubten an einen Ernstfall wohl nur wenige. „Verbissene Krieger“ waren die Angehörigen der Kampfgruppen ganz sicher nicht. Einige mögen eingefleischte SED Genossen gewesen sein. Aber viele waren einfach nur dabei wegen der kleinen Vorteile und weil die anderen auch dabei waren.

Bereits im Oktober 1989 während der Montagsdemonstrationen in der DDR und vor dem Fall der Mauer stellten die Kampfgruppen ihre Tätigkeit ein.

Am 6. Dezember 1989 wurde die Entwaffnung der Kampfgruppen vom neuen Innenminister der DDR endgültig angeordnet. Damit wurden auch die Weichen Richtung Wiedervereinigung gestellt. Denn die Wiedervereinigung hätte es 1990 nicht gegeben, wenn die DDR ihre Kampfgruppen zum Einsatz gebracht hätte.

Im Nachhinein stellt sich jedoch die historische Frage, warum die DDR Führung die Kampfgruppen ausgerechnet zu der Zeit auflöste für die sie 1953 gegründet wurde: der Verteidigung der DDR bei Unruhen und Aufständen. Hatte die politische Führung geahnt oder gar befürchtet, dass die Kampfgruppen mit den Demonstranten sympathisieren könnten – oder war es tatsächlich politischer Weitblick der hinter den Kulissen die weichen für die Zukunft stellte?

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