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DDR Geschichte: Die Erich Honecker Ära

Der 1971 vollendete parteiinterne Putsch in der DDR war die Folge der Ulbricht-Ära und spülte Erich Honecker nach ganz oben an die Macht.

Der in Leipzig geborene Walter Ulbricht war der „Architekt der DDR“, baute sie auf und leitete ein sozialistisches Wirtschaftswunder ein. Die DDR wurde zum wirtschaftlich erfolgreichsten Land im Verbund der sozialistischen Staaten. Doch seine Politik war nicht die Politik der UdSSR. Die UdSSR wollte nicht die Nummer zwei sein und dem sozialistischem „Modell DDR“ folgen. Sie wendete sich von Ulbricht ab.

In der DDR selbst führte Ulbrichts Durchsetzung seiner Machtposition zu Angstzuständen. Kritiker trafen sich im Zuchthaus wieder. Doch bereits ab 1969 kam Unmut in der SED auf. Bundeskanzler Willy Brandt war im Rahmen einer Entspannungspolitik zu Gesprächen bereit, wenn Ulbricht auf eine völkerrechtliche Anerkennung der DDR und dem Austausch von Botschaftern verzichtet. (siehe Die DDR in den siebziger Jahren).

Der Verzicht auf eine Anerkennung der DDR war für Ulbricht kein Problem der „sozialistischen Gesinnung“. Nach dem Motto „Ist mir doch egal was andere über mich denken“, sah er in der Entspannungspolitik vor allem wirtschaftliche Vorteile für die DDR. Die Sowjetunion lehnte wegen Ulbrichts Ausruf des „Modell DDR“ als Vorbild aller sozialistischen Industriegesellschaften bestimmte Wirtschaftslieferungen in die DDR ab um Ulbrichts Abhängigkeit von der UdSSR zu demonstrieren. Ulbricht konnte somit seine hochgesteckten wirtschaftlichen Ziele nur erreichen, wenn er Hilfe beim „Klassenfeind“ im Westen fand. Eine wirtschaftliche Konföderation schwebte Ulbricht vor, die er nutzen wollte um am Ende die Bundesrepublik wirtschaftlich schließlich doch noch zu überholen.

Ulbricht entschied damals in der DDR alles allein, ohne auf andere Meinungen zu hören. Wenn es in der DDR keine Demokratie gab, dann trifft das definitiv für die Ulbricht-Ära zu. Die Mehrheit der SED Mitglieder im Politbüro war nicht der Meinung, dass eine Verbrüderung mit dem Klassenfeind ein Garant für ein stabiles Wachstum der DDR Wirtschaft sei. Die Abhängigkeit vom Westen sei gefährlicher als die von der Sowjetunion. Für den Westen ist die DDR der Klassenfeind, zur Sowjetunion besteht eine „brüderliche“ Verbindung aufgrund der sozialistischen Gesellschaftform. Im Ernstfall ist auf die Sowjetunion mehr Verlass. Die Opposition innerhalb der SED schwächte die Position Ulbrichts in der SED als auch in der Bevölkerung und schrieb geradezu einen Politthriller.

Bereits am 28. Juli 1970 vereinbarten Honecker und Breschnew eine Entmachtung von Walter Ulbricht. Auf der 14. Tagung des SED-Zentralkomitees vom 9. bis 11. Dezember 1970 wurde in Diskussionen Ulbricht für Versorgungsprobleme, Engpässe und die schlechte Stimmung in der Bevölkerung verantwortlich gemacht. Dass die Sowjetunion wirtschaftliche Lieferungen versagte und damit Ulbrichts neue leistungsorientierte Wirtschaftspolitik unterminierte, wurde nicht erwähnt.

Am 21. Januar 1971 schrieben schließlich 13 von 20 Mitglieder und Kandidaten des Politbüros der SED einen siebenseitigen geheimen Brief an Breschnew. Die Verfasser riskierten im besten Fall Zuchthaus oder alternativ die Todesstrafe wegen Staatsverrat. Der als „Geheime Verschlusssache“ deklarierte Brief wurde unter anderem von Willi Stoph und Günter Mittag unterschrieben. Sie brachten zum Ausdruck, dass Walter Ulbricht die wirtschaftlichen und politischen Realitäten nicht mehr richtig einschätzte und seine Außenpolitik mit der BRD nicht dem folgt, was zwischen der SED und der KPdSU abgesprochen war. Alle Unterzeichner schlugen Breschnew vor, die Entmachtung Ulbrichts in der Art vorzunehmen, wie zwischen Honecker und ihm im Juli 1970 besprochen wurde. So kam es auch.

Gleich nach dem Putsch und Honeckers Amtsantritt als Erster Sekretär des Zentralkomitees der SED wurde Ulbricht aus den Geschichtsbüchern gelöscht. Die Sowjets zogen sich aus dem „aktiven“ Dienst in der DDR zurück – und die Ära Ulbricht war vorbei. Es war der Start der Honecker-Ära.

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