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DDR Selbstversorgung: Unterschiede zwischen Land und Stadt

Ich lebte in Leipzig, verbrachte aber soviel Zeit wie möglich bei meiner Oma in Naunhof, einer Kleinstadt bei Leipzig. So lernte ich neben dem Stadtleben auch das ländliche Leben kennen.

Obwohl es Unterschiede gab, war eines immer gleich: man versuchte sich so gut wie möglich selbst einzudecken. Es war kein Merkmal der Armen, auch wenn viele Bessergestellte ihre Waren über andere Quellen bezogen und kauften. Es war selbstverständlich dass jeder so weit wie möglich sich selbst versorgte. Es mußte keiner für viel Geld in den Wintermonaten eingemachte Erdbeeren im Laden kaufen. Man kaufte im Sommer für wenig Geld Erdbeeren, weckte sie ein und hatte das ganze Jahr über Erdbeeren. Erdbeeren gab es Kiloweise sogar kostenlos. In der gesamten DDR wurden großflächig Erdbeeren angebaut. Zur Erntezeit mußten Erntehelfer ran. Jeder, egal ob Kind, Schüler, Eltern oder Rentner durften sich Geld dazu verdienen. Ohne Abgaben an den Fiskus. Man konnte aber auch 10 Körbe ohne Bezahlung pflücken und einen Korb kostenlos mitnehmen. Wenn jemand lieber die frischen Erdbeeren kaufen wollte, auch kein Problem. Sie waren billig in der DDR. Wer da nicht
zugriff und sich mit 20 Kilo Erdbeeren versorgte, war selber Schuld. Ich verstehe heute das Gejammere nicht, dass man viel Geld für Konserven-Erdbeeren im Delikatladen hinlegen mußte. Selbst in der Stadt waren viele Keller voll mit eingemachten Erdbeeren bestückt.

Da gab es aber einen kleinen Unterschied bei der Stadt- und Landbevölkerung: In Sachen Holz hatte es der Stadtbewohner sicher nicht so einfach, wie der auf dem Land lebende Arbeiter. Mit ein paar Beziehungen oder Kreativität schafften es aber auch in der Stadt viele, ihre Keller mit Holz zu füllen.

Obstversorgung in der Stadt ohne Kauf im Gemüseladen? Man konnte mit dem Rad auf das Land fahren und ein paar Kisten Obst einsacken. Aber das machte wohl nicht jeder. Musste er auch nicht, den auch im Winter gab es Äpfel und Birnen preiswert im Gemüseladen. Da lohne sich der Weg nicht.

Gemüse legten sich aber auch viele in der Stadt auf Vorrat an. Im Sommer kaufen und einwecken, im Winter verspeisen. Ich erinnere mich nicht mehr genau, was ein Kilo Einlegegurken im Sommer kosteten und zu welchem Preis man ein großes Glas saure Gurken im Laden kaufen konnte; aber ich erinnere mich, dass Gurken zur Erntezeit als Pfennigware gehandelt wurde. Da gab es teilweise die „Kasse des Vertrauens“. Gemüse mitnehmen und den Kaufbetrag einfach in die Kasse werfen.

In der Erntezeit gab es teilweise eine so hohe Überproduktion, dass die Gemüseläden kistenweise Tomaten, Gurken oder anderes wegwerfen mußten. Wegwerfen war billiger als das überschüssige Gemüse wieder in eine Fabrik zum konservieren zu fahren. So verteilte sich die überschüssige Ernte und landete als Eingewecktes im Keller so mancher Familie.

Auch in der Stadt konnte man im Sommer billig an Gemüse kommen, um es für den Winter zu konservieren. Sogar an Waldfrüchte kam der Stadtmensch heran, wenn er sich zielgerichtet ein Wochenende Zeit nahm. Leider wissen Stadtbewohner in aller Regeln nicht, wo im fremden Wald irgendwas wo wächst, so dass sie dann doch meist auf Mithilfe ländlicher „Experten“ angewiesen waren.

Alles in allem gab es deshalb natürlich eine Unterscheidung zwischen der Stadt- und Landbevölkerung bezüglich der Produkte und ihrer Verfügbarkeit in freier Wildbahn. Aber es war nicht so, dass grundsätzlich nur ländliche Bewohner über Möglichkeiten zur Eigenversorgung verfügten.

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