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Die geplante „Mauer“ – das offene Staatsgeheimnis 1961

Der Plan zum Bau der Mauer in Berlin war ein offenes Staatsgeheimnis der DDR-Regierung. Alle wussten, dass die SED-Führung über Maßnahmen zur Sicherung der Sektorengrenzen suchte.

Schon 1952 hatte die Führung der DDR die Idee, die Sektorengrenzen stärker zu befestigen, um den Grenzverkehr effektiver kontrollieren zu können. Jedoch scheiterte es an der fehlenden Zustimmung der Sowjetunion und dem Umstand, dass die Reichsbahn der DDR auf das Schienennetz in Westberlin angewiesen war. Der sogenannte „Mauerbau“ im August 1961 war somit keine Reaktion im Affekt, sondern lange vorher in Planung. Allerdings wurde die Absicht des Mauerbausvon de SED-Führung immer wieder bestritten. So auch vom Staatsratsvorsitzenden der DDR, Walter Ulbricht, auf einer internationalen Pressekonferenz in Ost-Berlin am 15. Juni 1961 als die Journalistin Annamarie Doherr von der Frankfurter Rundschau die Frage stellte:

„Herr Vorsitzender, bedeutet die Bildung einer freien Stadt Ihrer Meinung nach, dass die Staatsgrenze am Brandenburger Tor errichtet wird? Und sind Sie entschlossen, dieser Tatsache mit allen Konsequenzen Rechnung zu tragen?“

Walter Ulbricht antwortete:

„Ich verstehe Ihre Frage so, dass es Menschen in Westdeutschland gibt, die wünschen, dass wir die Bauarbeiter der Hauptstadt der DDR mobilisieren, um eine Mauer aufzurichten, ja? Ääh, mir ist nicht bekannt, dass [eine] solche Absicht besteht, da sich die Bauarbeiter in der Hauptstadt hauptsächlich mit Wohnungsbau beschäftigen und ihre Arbeitskraft voll ausgenutzt, ääh, eingesetzt wird. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“

Ulbricht war damit der erste, der den Begriff „Mauer“ in diesem Bezug öffentlich verwendete – zwei Monate, bevor sie überhaupt stand.

Die Westmächte wussten aber dank ihrer Informanten und Agenten von dieser Planung. Die Außenminister der drei Westmächte und der Bundesrepublik beschlossen am 7. August in Paris (vor dem Bau der Berliner Mauer), vorbereitende Maßnahmen zu treffen, um einer kritischen Situation in Berlin begegnen zu können. Auch der Bundesnachrichtendienst (BND) war bereits Mitte Juli 1961 über die Planung einer verstärkten Grenzbefestigung informiert. Nach Ulbrichts Besuch bei Chruschtschow während des Treffens der Staaten des Warschauer Pakts vom 3.–5. August 1961 in Moskau stand im BND-Wochenbericht vom 9. August:

„Vorliegende Meldungen zeigen, dass das Pankower Regime sich darum bemüht, die Einwilligung Moskaus für die Inkraftsetzung durchgreifend wirksamer Sperrmaßnahmen – wozu insbesondere eine Abriegelung der Berliner Sektorengrenze und die Unterbrechung des S- und U-Bahn-Verkehrs in Berlin gehören würde – zu erhalten. […] Es bleibt abzuwarten, ob und wie weit Ulbricht […] in Moskau […] mit entsprechenden Forderungen durchzudringen vermochte.“

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