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Die Technik der Musik-Freaks in der DDR

MP3-Player gab es zu Zeiten der DDR noch nicht. Diese Technologie kam erst in den 90-zigern auf. Zu DDR-Zeiten wurde wie im Westen mit Kassetten-Recordern hantiert.

Das Maß aller Ding und heute ein absolutes Kultgerät war der SKR 700, damals einer der beliebtesten Stereo-Kassettenrekorder aus der DDR. Er kürzlich sang Lena Meyer-Landrut in ihrem Lied „My Cassette Player“ von ihrem alten DDR Recorder SKR 700.

Der Frequenzbereich des UKW-Tuners umfaßte 87,5-108 MHz und erlaubt dadurch auch heute noch den Empfang aller Sender. Die Vorgänger hatten einen kleineren Frequenzbereich. Das Kassettenlaufwerk ist eine japanischer Lizenz. Der SKR 700 stand in verschiedenen Farben zur Verfügung.

In der BRD wurde der SKR 700 unter dem Namen „Bruns SKR 700“ von der Hamburger Firma „Bruns“ verkauft. Das Gehäuse des Bruns hatte eine braune Farbe und Abweichende Beschriftung. Die originale DDR-Version sah entscheidend besser aus, wohl wegen den verschiedenen Farben.

Mit einem Preis von 1.540,00 DDR Mark war er nicht billig, aber in einem Vierteljahr zusammen gespart. Hat man richtig viel Geld angespart, wurde der alte Recorder behalten und mit dem neuen zusammen konnte man dann selbst und jederzeit Musikkassetten kopieren. Denn damals waren Doppel-Kassetten-Decks teuer. Und PCs mit denen man mal eben ein MP3-File kopiert, gabe es damals noch nicht. Das Überspielen vom Musik auf eine andere Kassette ging damals am einfachsten indem man zwei Recorder per Überspielkabel verband.

Zum Kopieren von Musikkassetten borgte man sich einen zweiten Recorder oder der Kumpel kam kurzerhand mit seinem Teil vorbei und es wurde die Musik kopiert und gequatscht und gemeinsam davon geträumt, wie die optimale Musikanlage aussehen könnte. Teile wie diese kamen dem Traum schon sehr nahe:

Zwei Kassettem-Ständer warten auch schnell gefüllt. Zwar kostete eine Kassette 15 bis 20 Mark und somit 40 Kassetten schnell 700 DDR Mark, doch dank billiger Lebenserhaltungskosten war dieser Betrag recht schnell angespart.

ORWO produzierte an verschiedenen Standorten eine kleine Vielfalt von Kassetten, zumindest für DDR Verhältnisse. Das Bild links zeigt eine 60 Minuten (2×30) FE I (Eisen) Musik-Kassette. Warum Eisen? Das Kunststoffträgerband wurde mit einer magnetisierbaren Schicht überzogen. Am Anfang bestand diese zunächst aus Ferrit (Fe2O3). Später folgten Chromdioxid. Die 60 Minuten Kassete aus dem VEB Fotochemischen Kombinat Wolfen kostete 17,00 Mark. Die qualitativ als auch preislich höher angesiedelten CrII (Chromdioxid) Kassetten wurden im VEB Chemiefaserwerk „Friedrich Engels“ in Premnitz hergestellt.

Auch die Geräte waren nicht billig. Auch ein Geracord 6020 mono schlug damals mit 602,00 Mark zu Buche. Aber so richtig vollständig wurde die Anlage erst mit einem Mikrofon.

Ja, Karaoke ist keine Erfindung der Neuzeit. Auch in der DDR wurde gern zu einem Lied mitgesungen. Gut, es gab keine reinen Karaoke-Versionen ohne Gesangsstimme, aber das war nicht so schlimm. Und so ein Mikrofon kostete auch nicht die Welt. Das „Mikrofon DM 2112“ aus dem VEB RFT Fernmeldewerk Leipzig kostete in der Version „M“ lediglich 54,00 Mark und war keine Mangelware. Die Stasi hatte eher Bedarf an kleineren Mikrofonen und so gab es in diesem Bereich keine Engpässe in der Versorgung. Wohl in jedem Haushalt existierte so ein Mikrofon.

Im Verhältniss zu dem Mikrofan war die Musik-Kassette mit noch 20,00 Mark für 60 Minuten Aufnahmezeit relativ teuer. Der Preis wurde in den 80er Jahren dann allerdings auf 15,00 Mark gesenkt, so dass es den Geldbeutel weniger belastete.

Verglichen mit den Preisen im Westen klingen die Prise der DDR-Geräte wie Horrorgeschichten. Aber verglichen mit heute war es garnicht so schwer, das notwendige Geld anzusparen. Und diesen kleinen Luxes, den leistete man sich als Musik-Fan in der DDR.

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