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Elektronik – ein Lieblingshobby in der DDR

Dem Staat war diese pragmatische Mentalität seiner Bürger recht und die Improviserlust wurde offiziell unterstützt in Form des Neuererwesens. Schließlich diente es der Verbesserung der Versorgunglage und führte letztendlich zu einer zufriedeneren Bevölkerung.

Sehr ausgeprägt und breitenwirksam popularisiert wurde der Eigenbau von Computer. Manch einer verdiente sogar Geld mit dem Eigenbau und anschließenden Verkauf der selbst gebauten Heimcomputer, die nicht selten leistungsstärker als vergleichbare Kaufvarianten waren. Es entwickelte sich in den 80er Jahren eine regelrechte Computerszene, Computerclubs schossen wie Pilze aus dem Boden. Von einer „knapp vierstelligen Zahl“ ging 1990 Michael Gähme, Initiatoren eines damals geplanten Dachverbandes der DDR Computerclubs, aus. Er schätze die Zahl der sich in Betrieb befindlichen Eigenbau Heimcomputer auf über 40.000 Stück. Kein Wunder, so wurden in Zeitschriften viele Schaltungen zum Nachbau publiziert. Zu nennen wäre „Jugend & Technik“ aus dem Verlag „Junge Welt“ und dem Funkamateur aus dem Militärverlag der DDR. Für einige hundert bis 1.000 Mark konnte jeder sich einen mehr oder weniger leistungsfähigen Heimcomputer selbst bauen.

Die Versorgungslage bei den nötigen Schaltkreisen war nicht immer zu jedem Zeitpunkt gesichert, aber so dramatisch war es auch nicht. Kommt Zeit – kommt Ware. Eine größere Herausforderung war der Eigenbau von Tastaturen und Gehäusen. Bei der Tastatur sah man desweilen abenteuerliche Kontruktionen. Tastaturen aus Klingelschaltern waren nicht das ungewöhnlichste. 1986 strahlte zum erstenmal ein Rundfunksender in der DDR Software aus. Die „Zuhörer“ schnitten sie mit und fütterten Damit ihre Datasette, ein Gerät zum abspielen der damals üblichen Compact Kassetten. Selbst auf Schallplatten wurden damals Software gepresst.

Wo ist der Bezug zu einer bestimmten Eigenschaft, die ich gern übernommen gewußt hätte? Es ist die aktive Beschäftigung mit einer den Geist fördernden Tätigkeit. Kinder und jugendliche verbringen heute viel Zeit mit der Konsumierung von TV-Sendungen. Spielkonsolen liegen im Trend. Mit Musik kommen viele Jugendliche nur über ihren iPod in Verbindung. Jugendliche in der DDR, geprägt durch das Elternahus und der Schule, verbrachten ihre Freizeit oft „aktiver“. Das heißt, sie konsumierten nicht irgendetwas sondern betätigten sich kreativ in vielen Disziplinen, schufen etwas durch geistige Arbeit und handwerklichen Fertigkeiten. Diesen Verhalten, sich aktiv einer produktiven Sache zu widmen und ein Steckenpferd daraus zu machen, würde ich heute gern verstärkt praktiziert sehen.

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