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Haben Sie Flaschen, Gläser oder Altpapier? – Unser Taschengeld in der DDR

Bundesarchiv, Bild 183-1983-0927-003 / Hirndorf, Heinz / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE, via Wikimedia Commons

In der DDR verdiente jeder schon als Schüler sein eigenes Geld mit dem Sammeln von Flaschen, Gläsern und Altpapier. Der Unterschied zu Heute – damals hat es sich richtig gelohnt.

Wo es heute für das Kilo alter Zeitungen Werbeprospekte oft nur 3 Cent je Kilo gibt, gab es in der DDR einheitlich 0,45 Mark pro Kilo. Kein Glas flog in die Mülltonne. Für jedes Glas gab es bis zu 0,30 Mark.

In der DDR wurden Sekundärrohstoffe erfasst um teure Rohstoffe zu sparen, ein damaliges volkswirtschaftliches Anliegen. Dafür zahlte der Staat dem Altstoffsammler viel Geld für Materialien, die heute im Müll entsorgt werden.
Ermöglicht wurde die Rückführung wichtiger Rohstoffe in den Wirtschaftskreislauf durch das flächendeckende Netz vieler tausender SERO-Annahmestellen.

Verantwortlich für den Aufkauf der sogenannten. Altstoffe war die SERO. SERO ist eine Abkürzung für VEB Kombinat „Sekundär-Rohstofferfassung“. In fast jedem Dorf oder Stadtteil existierten Annahmestellen für Altstoffe. Mobile Ankaufstellen, LKW mit Anhänger kamen auch zum Einsatz.

Die Plastikflaschen und Sprühdosen aus unseren gelben Mülltonnen waren ordentlich Geld wert. Textilien, die wir heute in die Kleidertonne werfen, brachten damals ebenfalls ein kleines Taschengeld ein. Das Trennen und Sammeln vieler Altstoffe lohnte sich. Nicht nur Kinder zogen durch die Gegend auf der Suche nach gewinnbringenden Materialien, auch Erwachsene stockten damit ihr Einkommen auf.

Stellen wir einmal ein „Sortiment zusammen, das in einem Haushalt anfällt.

  • 0.30 M – 1 Kilo Zeitungen/ Prospekte
  • 0.40 M – 2 Kilo Papier, Pappe
  • 0.15 M – 3x Glasflaschen farbig (z.B. Wein)
  • 0.40 M – 2x Glasflaschen weiß
  • 0.10 M – 2x kleine Gläser0.90 M – 3x große Gläser
  • 0.15 M – 5x Plastikflaschen
  • 1.00 M – 1 Kilo Plastik Müll
  • 0.90 M – 0.5 Kilo Aluverpackung
  • 1.00 M . 1 Kilo Alttextilien
  • 0.10 M – 1x Sprayflasche

Die Summe der Sammelaktion beläuft sich auf 5,40 Mark. Was konnten wir uns dafür leisten? 27 Kugeln leckeres Eis, zwei Mahlzeiten in einem Restaurant, etliche Kino-/Zoo-Besuche oder ein ganzer Tag auf dem Rummel!

Als Taschengeld nicht schlecht für ein Kind in der DDR. So richtig lohnte es sich beim straßenweiten Sammeln. Kinder gingen von Tür zu Tür und fragen „Haben Sie Altpapier, Gläser oder Flaschen für mich?“. Vor allem Rentner gaben den Kindern gern ihre Altstoffe mit. Schnell war ein Fahrradanhänger gefüllt und am Ende des Tages 15 Mark in der Hosentasche verschwunden.

Was die SERO Annahmestellen alles ankauften und zu welchen Preisen, zeigt die folgende Auflistung aus dem Jahr 1985.

Ankaufpreise

  • 1,00 M/kg Thermoplastabfall aus Haushalten
  • 0,30 M/kg Zeitungen/Zeitschriften/Wellpappe
  • 0,20 M/kg gemischte Papier- und Pappabfälle, Bücher
  • 0,50 M/kg Schulhefte ohne Umschlag
  • 0,50 M/kg Alttextilien
  • 0,40 M/Liter Fixierlösung
  • 0,05 M/Stück Flaschen (grün)
  • 0,20 M/Stück Flaschen (weiß), ausgewiesene Sorten
  • 0,03 M/Stück Plasteflaschen
  • 0,10 M/Stück Sprayflaschen
  • 0,05 M/Stück Gläser
  • 0,30 M/Stück Gläser – ausgewiesene Sorten
  • 0,05 M/Stück Fotofilme
  • 0,12 M/kg Stahl, Eisen
  • 0,23 M/kg Gussbruch
  • 1,80 M/kg Aluminium
  • 1,60 M/kg Zink
  • 2,50 M/kg Kupfer
  • 1,80 M/kg Blei

Unabhängig von diesen Sammelaktionen versuchte die DDR das Müllaufkommen zu verringern, indem der Verpackungsanteil am Produkt aus wirtschaftlichen Gründen minimiert und Verpackungsmaterialien vereinheitlicht wurde. Für den Rückfluss der recycelbaren Wertstoffe in den Rohstoffkreislauf wurde ein flächendeckendes Netz von Ankaufstellen für Altstoffe durch die SERO aufgebaut. Die Zusammenarbeit auf staatlicher Ebene, die Planwirtschaft, brachte in diesem Fall das bessere System hervor.

Die staatliche Planwirtschaft in der DDR orientierte sich an dem Grundbedarf der Bürger und den zur Verfügung stehenden Ressourcen. Das bedeutete: knappe Rohstoffe wurden nicht für aufwendige Verpackungsmaterialien verschwendet. Möglich war das, weil in der Planwirtschaft der Staat die Wirtschaft in der Hand hat. Sortimente und Produktionszahlen wurden zentral geplant, verwaltet, vereinheitlicht. Auch Verpackungen und Verpackungsmaterialien ähnelten sich. Der Anteil der Verpackung am Produkt war wesentlich geringer als heute und Verpackungsmaterialien glichen sich. Dieser Umstand vereinfachte natürlich enorm die Mülltrennung, die dem Bürger auch noch Geld einbrachte. Ja, richtig gehört. Wer in der DDR seinen Müll trennte, recyclingfähigen Müll sammelte und an einer Sammelstelle abgab, bekam dafür auch noch Geld.


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