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Gab es eine Mangelwirtschaft in der DDR?

Die DDR war durchsetzt von einer Mangelwirtschaft, sagt man. Aber woran erkennt man eine Mangelwirtschaft und wo ist die Grenze zur heutigen Überflussgesellschaft?

„Mangelwirtschaft“ ist eine Begriffsbildung der westlichen Propaganda oder zumindest politischer verzerrung, was wir zuerst festhalten müssen. Betriebswirtschaftler reden von Käufermarkt und Verkäufermarkt, zwei extremen Marktsituationen. Die DDR wird als klassisches Beispiel für einen reinen Verkäufermarkt betrachtet, was vor allem auf die Wirtschaftsordnung (Zentralverwaltungswirtschaft) zurückzuführen ist.

In der BRD und dem wiedervereinigten Deutschland, regiert ein Käufermarkt der sich durch folgende Faktoren auszeichnet:

  • Das Angebot übersteigt die Nachfrage
  • Der Bedarf ist nicht dringlich, da er zeitlich verschiebbar ist
  • Der Verkäufer ist vom Käufer abhängig

Auch heute gibt es noch partielle Verkäufermärkte in Deutschland, wie sie in der DDR als Mangelwirtschaft bezeichnet wurden. 

Gut, genug der Theorie und betriebswirtschaftlicher Spitzfindigkeiten. Welche lebensnotwendigen Versorgungsengpässe gab es in der DDR wirklich? Liefen wir schlampig herum und trugen nur gebrauchte ? Hatten wir zuwenig Essen um uns gesund zu halten? Konnten wir unseren Kindern keine Schulmaterialien kaufen? Oder konnten wir nur 2x im Jahr ins Kino, Theater oder dem Zirkus gehen, weil man „Schlange“ stehen mußte?

Alles Blödsinn. Wir lesen im Internet, daß es 40 Jahre lang in der DDR keine Bananen gab und wir darum jetzt mehr Bananen essen. Erstens gab es bei uns Bananen, wenn auch nicht jeden Tag und zweitens ist uns die Banane schon lange vergangen. An „West-Jeans“ kam man immer heran, wenn auch über Beziehungen, mal billiger, mal teuerer. Von wegen es gäbe im Winter kein frisches Gemüse. Haben wir 8 Monate im Jahr nur Nudeln, Tütensuppen, Konserven oder Linsen gegessen? Nein. Wo war nun der sogenannte „Mangel“. Im Bereich Technik? Nein. Die Läden waren voll von Farb-TVs, hochwertiger HiFi-Technik. Ein Mangel an Autos und Computer? Neue Autos: „Ja“, Gebrauchte  oder wenige Monate Alte: „Nein“. Schmökert bitte in den Original-Kleinanzeigen aus dem Jahr 1989. Was allein in Leipzig täglich in Sachen PKW und Technik weg ging, deckte den Bedarf. Wäre es nicht so, stünden die Anzeigen nicht in der Zeitung. Wenn man das nötige Geld hatte, wie auch heute, hatte man immer eine „Quelle“. Bei uns gingen Opels, West-Computer oder ein Golf genau so über den Tisch wie im westlichen Teil. Der Markt war da, die Angebote waren da. Aber man brauchte auch das nötige Kleingeld. Und wer nicht genug Geld hatte … das kennen wir ja von heute. Ich kann mir im heutigen Deutschland auch nicht alle 5 Jahre ein neues Auto leisten.

An was ich mich aber erinnere: Holz gab es kaum. Ich hatte handwerkliche Ambitionen, wollte basteln und bauen. Aber Holz gab es nicht wie heute in Baumärkten. Ab und zu in einem Eisenwarenmarkt mal ein paar Holzleisten oder Reste. Minderwertig. Also: ich ging zu den Tischlereien und fragte nach Holzresten. Als Kind bekam ich kostenlos ein bißchen Holz zum Basteln. Und als ich größer wurde, blieb da halt ein Zehner im Betrieb und alle freuten sich über die Kaffeekasse.

Haselnuß-Creme gab es hingegen immer, wenn auch für einiges Geld im Delikatladen. Die Haselnuß-Creme war aber kein Opfer der Mangelwirtschaft, sondern Teilnehmer am Verkäufermarkt. Es gab Haselnuß-Creme genug, wenn man sie sich leisten konnte. Es gibt heute ja auch genug echten Kaviar – wenn man das nötige Kleingeld hat. Oder regt sich jemand auf, dass im normalen Supermarkt nur billiger „Kaviar Ersatz“ steht, im Exquisiten Fachgeschäft der echte Russische Kaviar aber nur für ein paar Hundert Euro die Dose zu haben ist? Nein.

Werkzeugmaschinen für den Hobbybedarf gab es weniger. Wenn man einen Drechselaufsatz für die Handbohrmaschine sah, sollte man gleich zugreifen.Denn am nächsten Tag war die Ware sicher ausverkauft. Es war aber nicht so, dass es generell viele Produkte nicht im Laden zu kaufen gab – es gab sie nur nicht täglich im Regal und bei einigen Produkten mußte man eben warten. Heute ist es sicher nicht vorstellbar, dass man nicht zu jeder Zeit in den Laden gehen konnte und alles bekam. Damals war das kaum ein ernstes Thema, es war schließlich der Alltag, in den man hineingeboren wurde. Man richtete sich ein, kam mit der Versorgung klar.Von Mangelwirtschaft redeten wir nicht, es gab halt „Engpässe“ in der Produktion, aber keinen „Mangel“. Ich weiß noch, wie vor einigen Jahren eine Fabrik für Speicherschaltkreise abbrannte. Es war eines der Größten. Die Folge: Engpaß in der Produktion, die Preise für RAM stiegen um über das Doppelte an. Der Hersteller kam mit der Produktion nicht hinterher und es entstand ein Verkäufermarkt weltweit. Von Mangelwirtschaft redete aber niemand.

Die Versorgung der Bürger über den Umweg „Schwarzmarkt“ erfolgte durchaus über die Prinzipien der freien Marktwirtshaft. Angebot und Nachfrage regelten die Preise dessen, was man unter der Hand bekam. Und „unter der Hand“ oder dem „Schwarzmarkt“ gab es wirklich alles. Es mangelte offiziell an Ziegelsteinen – aber sein Haus hat zu DDR Zeiten noch Jeder fertig bekommen.

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