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Leipzigs Wirtschaft in der DDR

Leipzigs Volkswirtschaft zwischen Weltkrieg und Wende

Weit über 4000 Gebäude wurden während Bombenangriffe in Leipzig vollkommen zerstört, darunter 56 Schulen, mehrere Krankenhäuser, neun Kirchen, mehrere Theater, das Bildermuseum, das Hauptgebäude der Universität. 29 Messehäuser lagen in Trümmern und die gigantische Menge von 50 Millionen Bücher verbrannten.

Ein 3 km breites und 5 km langes Areal der Zerstörung zog sich von Norden über das ganze Stadtzentrum Leipzigs nach Süden hin. Das Leipziger Zentrum mit all den Messehäusern wurde durch insgesamt 38  Bombenangriffe der Alliierten im Zweiten Weltkrieg weitestgehend zerstört. Am 7. Juli 1944 erhält dann der Leipziger Hauptbahnhof einen Volltreffer. Schon dieser Umstand legte die Wirtschaft zunächst massiv lahm.

Nach dem Zweiten Weltkrieg befand sich Leipzig in der sowjetischen Besatzungszone, der späteren DDR. Im Oktober 1945 entzog dann die SMAD (Sowjetische Militäradministration in Deutschland) vielen Unternehmern und Aufsichtsräten durch den Befehl 124 die Verfügungsgewalt über die Betriebe. Ein freies Wirtschaften für den Markt war somit nicht mehr möglich. Am 30. Juni 1946 entschieden sich 77,6 % Wahlberechtigte für eine Enteignung der Betriebe von Nazi- und Kriegsverbrechern. 1.861 Betriebe gingen aufgrund dieses Volksentscheides in das Volkseigentum über.  Weitere  635 Betriebe wandelte die sowjetische Besatzungsmacht in sowjetische Aktiengesellschaften (SAG-Betriebe) um, welche bis Ende 1953 an die 1949 gegründete DDR als volkseigene  Betriebe übergeben wurden.

Die wirtschaftliche Bedeutung Leipzig für Europa ging stark zurück, auch wenn in einigen Branchen immer noch erfolgreich produziert und exportiert wurde und Leipzig zumindest für den Ostblock eine wichtige Rolle spielte. Seine wichtige Funktion als Messe behielt Leipzig aber auch nach dem 2. Weltkrieg.

In Laufe der Zeit wurden die Messehäuser wieder aufgebaut, die Zerstörungen beseitigt und die Infrastruktur wiederhergestellt. Bereits am 8. Mai 1946 öffnete die erste Leipziger Messe nach Kriegsende im Ring-Messehaus. In den darauffolgenden Jahren entwickelte sich die Leipziger Messe zu einem wichtigen Zentrum im Ost-West-Handel. Jedes Jahr fanden eine Frühjahrsmesse und eine Herbstmesse statt. Westliche Technik traf auf östliche Errungenschaften. Die Leipziger Messe war für beide Lager eine Möglichkeit, voneinander zu profitieren, den Kalten Krieg zu vergessen und andere Dinge in den Fokus zu rücken.

Für die DDR war Leipzig einer der wichtigsten Standorte. Im Jahre 1989 trug Leipzig 7.8 Prozent zur DDR-Industrieproduktion bei. Besonders der Braunkohleabbau, die chemische Industrie und die Energieerzeugung wurde ausgebaut. Leipzig war auch der Sitz vieler großer Kombinate aus den unterschiedlichsten Branchen.

– Kombinate für Baumaschinen,
– komplette Anlagen und Erdbewegungsmaschinen (Baukema),
– Gießereianlagenbau und Gusserzeugnisse (Gisag),
– polygraphischen Maschinenbau,
– Rundfunk- und Fernmelde-Technik (RFT),
– Technische Gebäudeausrüstung (TGA),
– Tagebauausrüstungen, Krane und Förderanlagen (TAKRAF)
– Chemieanlagenbau (Chemieanlagenbau Leipzig-Grimma, CLG).

Bei dem Gedanken an Leipzig denkt man nicht gerade an ein typisches Agrargebiet, doch Leipzig nahm eine gute Position in der Landwirtschaft und Viehhaltung ein. In der DDR kamen 7 % aller Schweine und 7.2 % aller Schafe beispielsweise aus Leipzig.

Die deutsche Wiedervereinigung 1990 hatte für Leipzig zunächst, wie schon 45 Jahre zuvor bei Einmarsch der sowjetischen Streitkräfte, verheerende Folgen.

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