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Das Neuererwesen – wie erfinderische Werktätige die Produktivität steigerten

„Neuerer“ war in der DDR die Bezeichnung für einen Erfinder, der Vorschläge zur Verbesserung von Arbeitsabläufen, der Verbesserung von Maschinen und Anlagen, Ideen zur Einsparung von Material und zur Rationalisierung einreichte. Was damals selbstverständlich war, wird heute als „Betriebliches Vorschlagswesen“ recht stiefmütterlich behandelt und nicht konsequent auf breiter Front umgesetzt. In der DDR wurde diese Art der Initiative im Arbeitsleben staatlich gefördert und belohnt.

In der DDR wusste jeder, was ein Neuerervorschlag war, denn bereits in der Schule wurde „Erfindergeist“ vermittelt. Jedes Jahr wurden an den Schulen die „Messe Meister von Morgen“ (kurz „MMM“), eine Art „Jugend forscht“ Wettbewerb des Ostens organisiert gefeiert. Es wurden in ein oder mehrere Klassenzimmer Exponate ausgestellt. Manchmal gabe es in der Schule am Rande Tabletts mit Kuchen, um so Kinder noch mehr zum Besuch der MMM zu motivieren, denn nicht jeder hatte wirklich intensives Interesse an der MMM. Aber das Kind bzw. der Jugendliche kam dadurch in Verbindung mit dem Thema und mancher staunte dann doch über das eine oder andere Ausstellungsstück.Die sogenannte Neuerer-Bewegung war Bestandteil des anfänglich vom Freier Deutscher Gewerkschaftsbund (FDGB) organisierten sozialistischen Wettbewerbs in den Betrieben zur Steigerung der volkswirtschaftlichen Produktivität. Arbeiter, Angestellte und Angehörige der technischen Intelligenz wurden angeregt, Verbesserungsvorschläge am Arbeitsplatz oder Maschinen vorzuschlagen. Die Mitarbeit in der Neuererbewegung war für die Werktätigen eine Sache der Ehre, Ehrgeiz, Arbeitsmoral, aber auch der finanziellen Prämierung. In den Betrieben wurden die Neuerer mit reichhaltigen Prämien belohnt, was auch ein Ansporn für findige Köpfe war. Welche Prämien es gab oder welche Rechte der Neuerer als Erfinder hatten, wurde in der „Neuererverordnung“ (NVO) ab 1963 festgehalten. Eine Reformierung der Neuererbewegung fand durch die Neuererverordnung vom 22.12.1971 statt. In der neuen NVO wurden die Neuerer, Erfinder und Rationalisatoren durch zentrale staatliche Stellen betreut und organisiert, wo zuvor der FDGB über erheblichen Einfluss verfügte.Der FDGB war gehalten, zur Unterstützung der Neuererbewegung auch mit der KdT, der FDJ und der DSF eng zusammenzuarbeiten, wobei sich die KdT insbesondere um die Qualifizierung der Neuerer und die FDJ vor allem um die Messe der Meister von Morgen kümmerte, während die DSF sich in erster Linie um den Erfahrungsaustausch mit der sowjetischen Neuererbewgung bemühte. Der FDGB durfte im Rahmen der Neuererbewgung einige zusätzliche offizielle Auszeichnungen verleihen wie etwa die des „Hervorragenden Neuerers“, des „Hervorragenden Neuererkollektivs“ oder des „Verdienten Erfinders“.Auf staatlicher Seite wurde eine kurze Bearbeitungszeit der Neuerervorschläge angestrebt. Zu den Verwaltungsaufgaben gehörte die Registratur des Neuerervorschlags, eine grundsätzliche Beurteilung, die Annahme mit Empfehlung zur weiteren Ausarbeitung und bei einer Nichtannahme des Vorschlages die Formulierung einer Ablehnung. Im Falle der Annahme erfolgte eine rasche und planmäßige Durchsetzung der Neuerungen.

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