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Rechtsradikale in den Neuen Bundesländern

Rufus46, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Rechtsradikalismus scheint ein Problem der neuen Bundesländer zu sein. Es wurde und wird darüber viel geschrieben. Sogenannte Experten reiben uns ihre Erklärungen unter die Nase, gespickt mit perfekter Rhetorik und selbstbewusstem Auftreten. Solch jemand muss man einfach glauben, er weiß doch wovon er redet. Ist das so?

In der DDR wurde den Kindern bereits im Kindergarten das Gedankengut der Völkerfreundschaft anerzogen. Weiter ging es in der Schule und der Ausbildung. Es wurde nicht Rassismus gepredigt, sondern eine Verbundenheit mit allen Völkern der Welt. Wenn jemand behauptet, in den neuen Bundesländern sei Rassismus fest verwurzelt gewesen, ist dies definitiv eine Falschaussage. Es gab überall in der DDR und der BRD Kriegsveteranen aus dem zweiten Weltkrieg. In der BRD konnten faschistisch orientierte Eltern und Großeltern ihren Kindern ungestraft das Gedankengut der Hitler-Ära vermitteln. In der DDR wurde so etwas auf breiter Front beobachtet und gegen gesteuert. Die heutigen Neonazis und Rechtsradikalen wurden vor 20 Jahren in der DDR nicht als Rassisten geboren. Die Gesellschaft der Nachwendezeit machte aus den einst unschuldigen Kindern schuldfähige Straftäter. Es waren auch nicht die aus der DDR stammenden Eltern, die zum Mauerfall plötzlich ihren Kindern längst vergessenes nationalistisches Gedankengut vermittelten. In der DDR gab es nicht Hitlers Buch „Mein Kampf“; in den Geschichtsbüchern und der Literatur der DDR wurden keine faschistischen Parolen verbreitet oder gar glorifiziert. Schon bei den Montagsdemonstrationen 1989, beispielsweise am 14. Dezember 1989, demonstrierten die Bürger mit Plakaten auf denen zu lesen war ‚Nazis bleiben draußen‘ und ‚Großdeutschland – NO!‘

Woher kommt dann die sehr starke Verbreitung rechtsradikalen Gedankenguts in den neuen Bundesländern auf dem Gebiet der ehemaligen DDR? Woher kamen innerhalb weniger Wochen bis Monate die neuen Anführer und Propagandisten der späteren rechten Bewegung her? Und wieso waren die Jugendlichen der DDR derart empfänglich für diese neue alte Ideologie? Als die DDR ihre Tore öffnete, gab es nicht nur eine starke Bewegung aus der DDR raus in den Westen, unzählige BRD Bürger jeder Gattung strömten mit Waren, Angeboten und Ideen in das Territorium der DDR. Allen voran Banken, Finanzdienstleister, Vorboten diverser Sekten (beispielsweise Scientology) und Vertreter aller westlichen Parteien und Gruppierungen. Ich weiß noch wie ich auf der Straße ein Buch von L. Ron Hubbard angeboten bekam. Aus meiner Sicht ein SciFi Roman und ich war ein Fan dieses Genres. Dass ich über dieses Buch mit dem Gedankengut einer Sekte näher gebracht werden sollte, ahnte ich damals nicht. Es war für mich ein harmloser Science Fiction Roman.

Ebenso mögen unzählige Jugendliche nichts geahnt haben, als plötzlich aus dem Westen Vertreter diverser Parteien und politischer Richtungen auftauchten. Sie alle waren volksverbunden, vermittelten Verständnis für die chaotische Zeit der Wende und darüber hinaus noch etwas mehr: neue Perspektiven, Gründe, Schuldige und Opfer. Unzähligen Millionen Bürgern der DDR nahm man ihr Land weg, ihre Ideologie, Meinung, Überzeugung, Kultur, Stars. Vieles warfen sie in all der Euphorie auch selbst über Bord. Über Nacht wurden sie zu Wendehälsen und blieben doch Mitläufer wie auch schon in der DDR oder fühlten sich als geistige Zombis, Köpfe ohne Orientierung. Was sie ihr Leben lang gelernt hatten, woran sie einmal mehr oder weniger geglaubt hatten, war plötzlich alles infrage gestellt, falsch oder verbrecherisch. Jeder einzelne DDR Bürger war auf einmal ein Verbrecher, nur weil er ein Teil des Staates war und ihn stützte, ihn erst ermöglichte. Jeder Volkspolizist war ein Helfer des „Unrechtsstaats“, jeder Soldat, Lehrer, im Sozialdienst stehender oder gar der am sozialistischem Wettbewerb teilnehmende Werktätige waren Unterstützer und stille Befürworter eines Staates, der von westlichen Medien als „Regime“ bezeichnet wurde. „Ossi“ wurde zu einem Schimpfwort. Viele fühlten sich „klein“ gegenüber den „großen“ Machern aus dem Westen.

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