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Sehenswerte DEFA Filme: „Zum Teufel mit Harbolla!“

Filme aus der DDR waren nicht in jedem Fall langweilig oder von Propaganda durchsetzt. Der am 28.Juni 2010 im MDR ausgestrahlte Film „Zum Teufel mit Harbolla“ könnte eine Produktion aus dem wiedervereinigten Deutschland sein. Zumal Schauspieler mitwirkten, die auch heute einen festen Platz im Fernsehen haben, wie Walter Plathe, Annett Kruschke oder Katrin Saß.

Der Film spielt im Jahre 1956, als Rockmusik verpönt war, der Schwarzhandel blühte und die NVA gerade erst gegründet wurde. Der ehemalige Zugführer Harry Harbolla (Michael Lucke) ist ein direkter, einfacher und handfester Typ, der anpacken kann und sich freiwillig zur NVA meldete. Als er erfuhr, dass er von einem „Studierten“ abgelößt werden sollte, schmiss er die ganze Sache hin und verdünnt sich einfach, verließ unerlaubt seinem Posten und wollte zu seiner Freundin. Er fühlte sich gebraucht und nützlich in der NVA, von „Studierten“ hielt er nicht die Bohne, für ihn waren es Dummschwätzer, die nie im Leben richtig anpacken mussten und erst recht keine Ahnung von der Armee hatten. Die Sache war für ihn gegessen. Nicht aber für die Militärpolizei. Er wurde aufgegriffen und in den Militärknast nach Oranienburg verfrachtet.

Der frisch gebackene Leutnant Gottfried Engelhardt (Tom Pauls) beginnt zu dieser Zeit seinen Dienst und bekommt den unangenehmen Auftrag, Harbolla aus dem Militärknast zurück in die Einheit zu holen. Zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln, ohne Handschellen. Was einfach zu sein scheint, entpuppt sich als gewaltiges Problem. Harbolla war ein Draufgänger, Raubein mit großem Herz, Frauenheld und erheblich kräftiger als Engelhardt. Dieser war verklemmt, ein Paragraphenreiter, ein Schwarz-Weiß Denker.

Auf dem Weg ereigneten sich interessante Dialoge, welche die Charaktere der beiden wiederspiegelten. Harbolla merkte sehr schnell, dass Engelhardt sich nicht durchsetzen kann. Bei einem ersten Konflikt kündigte Harbolla an, jetzt einfach zu gehen, er kommt nicht mit zurück. Engelhard möge seine Dienstwaffe ziehen, einen Warnschuss abgeben und danach ihn erschießen. Oder andersherum, das könnte eh keiner später feststellen.

Irgendwie klebten sie wieder beisammen. Es entwickelt sich eine latente Sympathie unter den beiden, Respekt, auch wenn man sich selbst nicht unterbuttern lassen wollte. Es gibt da das Tanzlokal „Linde“ auf ihrem Weg, wo Harbollas Freundin Heidelore (Andrea Solter) als Köchin eingestellt ist. Harbolla, der immer einen Platz in seinem Bauch frei hat, überzeugte Engelhardt schnell zur Einkehr in das Tanzlokal. Dieser verliebte sich in die schöne Anita (Annett Kruschke), welche er zuvor zufällig auf dem Bahnhof kennen lernte. In der „Linde“ fühlte der überzeugte NVA Soldat Harbolla unter den dekadenten Schiebern, dem Luxus und der Rockmusik schnell wohl. Eine Flasche Sekt nach der anderen wurde bestellt, dass teuerste Essen verschlungen. Die Rechnung kam mit der Rechnung, Harbolla konnte die mehreren hundert Mark nicht zahlen. Harbolla und Engelhardt wurden in eine wüste Massenschlägerei verwickelt und kämpften zum ersten Mal Seite an Seite, so wie Bud Spencer und Terence Hill. Es entwickelte sich immer mehr eine Freudschaft.

Nach der Schlägerei gingen sie zu Harbollas Freundin, der Köchin Heidelore. Die schöne Anita gesellte sich hinzu. Engelhardt wollte nach dem baden sich gerade anziehen, Anita das Gegenteil. Auf halber Reise ruft Engelhardt erschrocken: „Was haben sie da an!?“. Anita antworte mit Stolz: „Ein Petticoat, kam 28 Mark…West!“. Engelhardt forderte erschüttert und wie auf Kommando: „Ausziehen, sofort!“. Nach dieser Szene mussten beide plötzlich lachen und der Abend wurde noch angenehm.

Am nächsten Morgen überraschte Engelhardt sie mit seiner Dienstwaffe am ihrem Kopf. Der ältere Herr in der „Linde“ sei nicht ihr Vater meinte sie, sondern Schieber-Chef und überhaupt verkauft sie sich für Geld, er möge bitte zahlen.

Ich möchte an dieser Stelle nicht den ganzen Film wiedergeben. Man muss ihn einfach gesehen haben. Ein DEFA Film von 1956, der den Alltag der 50er Jahre beleuchtet, auch kritisch. Thoralf Haß schrieb dazu: „Er zeichnete mit „Zum Teufel mit Harbolla“ hervorragend ein Sittenbild der damaligen Zeit, gemischt mit einer originellen Story, etwas Romantik sowie einem gut aufgelegten Darstellerensemble. Es ist weder ein Lobgesang auf die NVA noch macht sich Fürneisen über die NVA lustig. Der Film hat Charme, selbst Dialoge mit den damals üblichen Propaganda-Parolen über den „Sieg des Sozialismus“ werden nicht als Solche empfunden. Und trotz aller Komik gleitet der Film nicht zur Militärklamotte ab.“

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