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Wie die ostdeutsche Marke „Schwalbe“ verscherbelt wurde

Ein Kultfahrzeug entsteigt der Versenkung, wie einst Phönix aus der Asche – wenn man aktuellen News Glauben schenkt. Ausgerechnet der für seine manipulierten Tests und „bezahlten“ Artikeln bekannte ADAC macht sich für die aktuelle E-Schwalbe stark.

Die „Schwalbe“, das Kleinkraftrad KR 51 aus dem VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk „Ernst Thälmann“, wurde dank ihres eigenwilligen Design und der robusten Technik berühmt und prägte den Alltag vieler Generationen. Kennzeichnend für die Schwalbe des Suhler Simson-Werk war neben der besagten Robustheit ihr umfassenden Schmutzschutz für den Fahrer. Egal ob Förster, Polizist in ländlicher Gegend, Mitarbeiter einer LPG – sie alle fuhren bevorzugt eine „Schwalbe“. Rund eine Million „Schwalben“ wurden von 1964 bis 1989 produziert.

Nach dem Ende der DDR wurde das Simson Werk abgewickelt. Nur der Markenname wurde von westdeutschen Spekulanten aufgekauft – altbekannte Marken sind oft ein finanzieller Garant für neu gegründete Start-Up’s.

Versuch 1: Firma XTRONIC
Nun sollte das nach der Wende zum Kult avancierte Fahrzeug als E-Schwalbe, einer Elektroversion, neu auf den Markt gebracht werden. Zuerst versuchte das in Baden-Württemberg ansässige Unternehmen XTRONIC aus der alten Marke neues Kapital zu schlagen. Der Verkaufsstart sollte 2011 erfolgen.

Als Verkaufspreis wurde ein Betrag von ca. 3.500 Euro genannt, abhängig von der Akku-Leistung. Der modernisierte Klassiker wurde in den Geschwindigkeitsklassen 25, 45 und 80 Km/h angeboten, um eine Zulassung als Mofa, Kleinkraftrad (Moped) oder Leichtkraftrad zu ermöglichen.

Die variable Reichweite war von der gewählten Geschwindigkeit abhängig. Bei 80 Km/h betrug sie 50 Kilometer, bei 25 km/h immerhin sogar 200 Kilometer.

Ein großer Pluspunkt war der mobile Akku. Da nur wenige Ladestationen zur Verfügung stehen und auch zuhause im Miethaus Steckdosen auf dem Hof eine Seltenheit sind, bestand die Möglichkeit den Akku einfach ins Büro oder der Wohnung zum aufladen mitzunehmen.

Erste Modelle wurden auf Messen ausgestellt und beworben, gegen eine Anzahlung konnte die E-Schwalbe vorbestellt werden. Als Produzent wurde die EFW-Suhl GmbH verpflichtet. Immerhin hatte dieses Unternehmen durch seinen Standort einen Bezug zur „alten“ Schwalbe, die Produktion wäre wieder in Suhl gelandet. Doch zu einer Serienproduktion kam es nie, 2013 war das Thema vom Tisch

Versuch 2: Firma GOVECS
Neue Nachrichten im Herbst 2015: Die aktuelle Version der E-Schwalbe kommt jetzt von der Münchner Firma Govecs, einem jungen Start-Up Unternehmen.

Produziert wird die E-Schwalbe nicht in Suhl, nicht einmal in Deutschland. Eine Firma im polnischen Wroclaw produziert die Schwalbe in Kooperation mit einem spanischen Hersteller.
Einzig der Motor stammt von einer deutschen Firma – von Bosch. Aber ob der Bosch-Motor wirklich in Deutschland – oder doch in China – hergestellt wird, müssten Nachfragen klären.

Die Marke „Schwalbe“ wurde verscherbelt, um ein teures Schicki-Micki Produkt am Markt zu platzieren. Doch der Höhenflug von GOVECS ging nicht auf. Im Jahr 2018 wollte sich das Unternehmen Kapital an der Börse besorgen, doch die geringe Nachfrage konnte nicht überzeugen. Die nationale Kult-Schwalbe hatte internationale Konkurrenz.

Definitiv schade ist es, dass diese traditionsreiche Marke ihrer Wurzeln beraubt wird, die Schwalbe gehört nach Suhl, nicht nach Breslau und auch nicht an die Börse nach New York.

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