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Wir sind ein Volk? Woher kommt der Spruch?

Gegen Ende des Jahres 1989 etablierte sich ein Spruch: „Wir sind EIN Volk“. Es ist heute schwer nachvollziehbar, wer die treibende Kraft war, die Kirche in der DDR sicher nicht. Ihr schreibt man den Freiheitsgedanken zu, sie brachte die Demos ins Rollen. Sie gehörte aber nicht zur Fraktion derer, die eine Übernahme der DDR durch die BRD forderte.

Hingegen ist durch DDR Zeitungen belegt, dass noch zu Zeiten der DDR große Firmen aus der BRD sich auf dem Gebiet der DDR breit machten. Supermärkte, Finanzdienstleister, Banken. Die DDR existierte noch, doch „Global Player“ teilten sich die DDR schon vor der Wiedervereinigung unter sich auf.
Da ist die Frage berechtigt, wer den DDR-Bürgern eigentlich den Slogan „Wir sind EIN Volk“ unterjubelte. Dieser Spruch könnte aus der Feder eines findigen Werbtexters stammen. Die DDR Bürger, die ersten Demonstranten wollten kein ALDI oder Allianzversicherung n der DDR. Sie wollten Produkte aus dem Westen – aber in ihrenen eigenen Kaufhallen!

Die DDR Bürger hofften auf einen Umschwung, auf mehr persönliche Freiheiten. Sie wünschten sich aber keineswegs Arbeitslosigkeit, Verarmung, Drogen und sozialen Abstieg.

Sie waren keine Wirtschaftexperten. Preise waren jahrzehntelang stabil, der Staat förderte Kinder, Jugendliche, kümmerte sich um unsere Senioren. Dass dies im vereinigten Deutschland anders sein könnte – daran dachte nicht jeder. Die Wähler hatten zu wenig Verständnis von den Mechanismen der Wirtschaft. Sie dachten allen Ernstes, die aus der DDR gewohnte Absicherung bleibt bestehen und vom Westen wird der volle Supermarkt und die Reisefreiheit übernommen.

Die Hoffnungen der Masse haben sich nicht erfüllt. Ein sicheres Leben wie in der DDR mit mehr Freiheiten im Bereich „Konsum“ und „Reisefreiheit“. Wobei wir von den Leuten ab 40 reden. Menschen mit 30 Jahren und jünger waren zur Wende höchstens 10 Jahre alt. Nur wer mindestens 20 bis 30 Jahre in der DDR lebte, kann sich ein Urteil über DDR und BRD bilden. Und schauen wir doch heute einmal, wo sich die 40 bis 60 Jährigen platziert haben. Wer ist bei der ARGE Kunde, wer hat eine erfolgreiche Firma? Eine Handvoll Leute haben es dank alter Seilschaften in ihrer Stadt zu Wohlstand geschafft. Eine alte SED Riege bleibt in der Stadtverwaltung, schiebt sich Aufträge zu und botet Andere aus. Ich bin ein Verfechter der „Ossis“, aber diese Strukturen kann ich nicht leugnen oder befürworten. Die Wende war keine Wende im Sinne der Demonstranten. Die Einflussreichen blieben lokal an der Macht und bilden heute in Kooperation mit westdeutschen Importen Nester der Korruption. Man suche nur einmal auf Google nach „Sachsensumpf“. Leipzig als Ausgangspunkt der Beschuldigungen. Aus den alten Bundesländern stammenden Richtern wird angeblicher Sex mit Kindern nachgesagt. Teure Grundstücke wurden angeblich für ein Butterbrot überschrieben. Sagt man und kann man dank Google nachlesen.

40 Jahre DDR – verkauft, verscherbelt und verschoben in wenigen Monaten. Mal mehr und mal weniger legal. Fast immer jedoch zum Nachteil des Volkes, das 40 Jahre lang gearbeitet hat, um ein Land aufzubauen. Die Menschen waren nicht immer mit allem zufrieden, aber wegwerfen wollten sie ihr Land, ihre Vergangenheit und ihr Selbstverständnis ganz sicher nicht. Aber sie wurden nicht wirklich gefragt, nicht mit Blick auf die wahren Konsequenzen. Es wurde ihnen einfach vorgesetzt, so wie so manches die 40 Jahre zuvor auch. Nur diesmal sagen alle, es wäre die Freiheit, die 40 Jahre davor nennen sie hingegen Diktatur und Unrechtsregime. Sicher, manches war wohl nicht rechtens, aber was daraus wurde ist uns auch nicht wirklich recht. Aber wir wurden ja nicht gefragt; wieder nicht…

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