Die ehemalige „Mauer“ – Berlins politisches Wahrzeichen

Vor der Wende wurde mir beigebracht, die Mauer dient als Schutz vor möglichen militärischen Konflikten mit der US-amerikanischen Besatzungsmacht in West-Berlin. Nach der Wende erzählte man, die Berliner Mauer wurde gebaut um uns einzusperren. Heute, über zwei Jahrzehnte nach dem Ende des kalten Krieges, sollten wir unsere Kinder aufklären, dass wohl beides nur Halbwahrheiten waren.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Deutschland unter den Alliierten Siegermächten Frankreich, England, USA, Sowjetunion aufgeteilt. Der Sowjetunion, bekannt auch als UdSSR, (dessen Kern heute Russland ist), wurde das Gebiet zugeteilt, das später als Deutsche Demokratische Republik (DDR) in die Geschichte einging. Aber es wurde auch Berlin, die ehemalige Hauptstatt des deutschen Reichs, aufgeteilt.

Aufgrund des Umstandes, dass Berlin sich mitten auf dem Gebiet der 1949 gegründeten DDR befand, waren Konflikte und Probleme geradezu vorprogrammiert. Eine Stadt mit 2 verschiedenen Währungen, unterschiedlichen Gesetzen und gegensätzlichen Wirtschaftssystemen – und auch unterschiedlichem Wohlstand.

Es ist naheliegend, dass die Menschen in beiden Teilen versuchten, das Beste aus der Situation zu machen. Denn, man muss sich vorstellen, dass eine Großstadt wie Berlin, in der mehr als eine Million Menschen wohnten, zwar von zwei unterschiedlichen Staaten nach unterschiedlichen Vorstellungen regiert wurde, aber die geteilte Stadt lediglich durch Schlagbäume getrennt wurde. Täglich fuhren tausende Bewohner des Ost-Teils in die westliche Hälfte zur Arbeit. Der westliche Teil, zumindest die Arbeitgeber, freut sich über die billigen, aber gut ausgebildeten Arbeitskräfte. Billig im östlichen Teil wohnen und leben, aber im Westteil der Stadt die Arbeitskraft teuer verkaufen. Der Verwaltung des Ostteils gefällt die Situation überhaupt nicht, denn sie muss die vollen Sozialleistungen bereitstellen. Aber sie hatte keinerlei Handhabe. Dazu kam auch noch, dass Bewohner des reichen Westens täglich in den Ostteil der Stadt fahren und subventionierte Lebensmittel ramschten. Bei einem Tauschkurs von 1:4 und vom Osten subventionierten Preisen, bezogen die Westler Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs zu einem Zehntel dessen, was sie in ihrem Teil der Stadt dafür hätten bezahlen müssten.

Doch auch der westlich regierte Teil Berlins war nicht glücklich mit der Situation. Die Ost-Berliner kamen in Schaaren über die Grenze und nahmen den West-Berlinern die Arbeit weg. Gut ausgebildete Fachkräfte aus Ost-Berlin ruinierten den Arbeitsmarkt West-Berlins. Sogar immer mehr „West-Firmen“ finden die Situation nicht mehr tragbar. Aufgrund der billigeren und subventionierten Waren im Osten, gingen im Westen die Umsätze in diesen Segmenten drastisch zurück.

Auf der anderen Seite der Stadt schimpften die Ost-Berliner, dass die Westler ihre ganze Stadt aufkaufen und sie vor leeren Regalen stehen mussten. Es gärte auf beiden Seiten. Zwar gibt es hin und wieder partielle Vorzüge, aber im Großen und Ganzen war die komplette Situation sehr risikobehaftet. Denn Unmut formiert sich schnell zu Widerstand – auf beiden Seiten. Und wenn es im geteilten Berlin zu Auseinandersetzungen gekommen wäre, hätte Ost-Berlin Hilfe von der Sowjetunion bekommen und für West-Berlin hätten die West-Alliierten eine Streitmacht zur Verfügung gestellt.

So war die Situation im Jahre 1961.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*