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Darum war die Selbstversorgung in der DDR so ausgeprägt

Wären die Menschen in der DDR verhungert, wenn sie sich nicht selbst versorgt hätten? Sicherlich nicht! Warum also war die Eigenversorgung so ausgeprägt?

Die Antwort darauf ist einfach: Weil man es konnte versorgte man sich selbst. Warum soll jemand im Laden Bananen kaufen, wenn 500 Meter weiter Bananen wild wachsen? Warum Äpfel oder Kirschen zur Erntezeit im Laden kaufen, wenn die einfach am Straßenrand hängen und sonst verfaulen? Und warum sollte man im Winter teure Erdbeeren aus der Konserve kaufen, wenn es im Sommer genug Erdbeeren gab und sich selbst einen Wintervorrat anzulegen?

Heute erwartet man, dass in der Kaufhalle alles billig zu kaufen ist und sich niemand für 5 Kilo Äpfel bücken muß. Dazu existieren eine Menge Gesetze, welche eine Eigenversorgung erschweren. Regelungen die vorschreiben, wie viel Prozent des Schrebergartens zum Anbau von Obst und Gemüse genutzt werden darf, wie hoch ein Obstbaum werden darf. Auch ob ein Hase gehalten werden darf, entscheidet die Gartenordnung. In Baden-Württemberg darf beispielsweise jede Person nur 5 Kilo Pilze pro Tag sammeln, aber auch nur am Wochenende.

In der DDR gab es so einen Regulierungswahn nicht, trotzdem wuchsen jedes Jahr Pilze, Wildfrüchte und Obst in freier Wildbahn. Die Kleingärten verwandelten sich nicht in Brutstätten für Krankheiten und Seuchen. Wer Hasen und Hühner aufzog, betrieb keine Qualzucht. Es bestand offenbar kein Regulierungsbedarf in Punkto Eigenversorgung. In der DDR lebte man auch notgedrungen Eigenverantwortlicher und verließ sich auf seine eigenen Leistungen mehr als der staatlichen Versorgung.

Man baute Obst und Gemüse nicht nur an weil es eine preiswerte Art der Versorgung war. Man tat dies, weil es einer Tradition entsprach. Wer Land hatte, nutze es. Wer im Wald wohnte oder Beziehungen hatte, wäre nicht schlau, wenn er sich nicht mit Feuerholz eindecken würde. Mein Schwiegervater heizt noch heute mit Holz, aber nicht weil er kein Geld hat.

Jedes Jahr pflanze ich auf meinen Fensterbrettern in der Stadtwohnung Gemüse und Kräuter. Dieses Jahr Tomaten, Paprika, Feldsalat, Petersilie, Basilikum und Minze. Es ist auch heute noch ein schönes Gefühl, etwas aus eigener Ernte zu essen, was damals sicher auch ein Grund war.

Vielleicht war es damals auch in den alten Bundesländern anders und die Eigenversorgung war nicht nur ein Thema der ehemaligen DDR. Möglicherweise verleitet uns heute das Überangebot an billigen Konserven dazu, sich die Arbeit zu sparen. Schade ist es aber dennoch.

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