DDR: Keine illegale Abtreibung ab 1972

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Updated Mai 11, 2024

Gesetz über die Unterbrechung der Schwangerschaft

Verabschiedung des Gesetz über die Unterbrechung der Schwangerschaft

Gesetz über die Unterbrechung der Schwangerschaft - illegale Abtreibungen

Das „Gesetz über die Unterbrechung der Schwangerschaft“ -(Abtreibung) wurde 1972 in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) verabschiedet und regelte die Bedingungen für Schwangerschaftsabbrüche.

Das Gesetz über die Unterbrechung der Schwangerschaft war ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte des Schwangerschaftsabbruchs in Deutschland. Es war das erste Gesetz in der deutschen Rechtsgeschichte, das eine Fristenregelung einführte. Damit erhielten Frauen in der DDR das Recht, innerhalb von zwölf Wochen nach dem Beginn einer Schwangerschaft eigenverantwortlich über deren Abbruch zu entscheiden.

Kritik

Das Gesetz stieß auf Kritik und Ablehnung durch die Kirchen beider Konfessionen sowie durch Teile der Ärzteschaft. Die Kirchen kritisierten, dass das Gesetz das Recht auf Leben des ungeborenen Kindes missachtete. Die Ärzteschaft kritisierte, dass das Gesetz zu einer Zunahme von illegalen Schwangerschaftsabbrüchen führen würde.

Trotz der Kritik war das Gesetz in der DDR sehr populär. Es wurde von vielen Frauen als Erleichterung empfunden, dass sie nun selbst über ihre Schwangerschaft entscheiden konnten.

Das Gesetz über die Unterbrechung der Schwangerschaft hatte auch einen Einfluss auf die Debatte über den Schwangerschaftsabbruch in der Bundesrepublik Deutschland. Es war ein Argument für die Einführung einer Fristenregelung in der Bundesrepublik. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde der § 218 StGB durch das Gesetz über den Schwangerschaftsabbruch vom 21. Dezember 1995 abgelöst. Das neue Gesetz basiert ebenfalls auf einer Fristenregelung.

Positive Auswirkungen der erlaubten Abtreibung

Reduzierung der Zahl illegaler Schwangerschaftsabbrüche
Vor der Einführung der Fristenregelung waren illegale Schwangerschaftsabbrüche in der DDR weitverbreitet. Die Zahl der Todesfälle infolge von illegalen Abtreibungen lag bei 70 bis 80 pro Jahr. Die Einführung der Fristenregelung führte zu einem deutlichen Rückgang der Zahl illegaler Abtreibungen.

Verbesserung der Gesundheit von Frauen
Die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs führte zu einer Verbesserung der Gesundheit von Frauen. Illegale Abtreibungen waren oft mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Die Einführung der Fristenregelung führte zu einer Verbesserung der Qualität der Abtreibungsbehandlungen.

Steigerung der Gleichberechtigung von Frauen
Die Möglichkeit, selbst über den Abbruch einer Schwangerschaft zu entscheiden, war ein wichtiger Schritt zur Gleichberechtigung von Frauen in der DDR.

Negative Auswirkungen

Zunahme der Zahl von Schwangerschaftsabbrüchen
Die Einführung der Fristenregelung führte zu einer kurzfristigen Zunahme der Zahl von Schwangerschaftsabbrüchen. Diese Zunahme war jedoch auf die zuvor bestehende Illegalität des Schwangerschaftsabbruchs zurückzuführen.

Bevölkerungsrückgang
Die Zunahme der Zahl von Schwangerschaftsabbrüchen sowie die zeitgleich eingeführte kostenlose Abgabe schwangerschaftsverhütender Mittel führten durch den daraus resultierenden Geburtenausfall zu einer bis zum Ende der 1970er Jahre anhaltenden Bevölkerungsabnahme in der DDR.

Zusammenfassung

  • Frauen hatten das Recht, innerhalb von zwölf Wochen nach dem Beginn einer Schwangerschaft eigenverantwortlich über deren Abbruch zu entscheiden.
  • Für den beteiligten Arzt bestand gemäß dem Gesetz die Pflicht zur Beratung der Schwangeren über die medizinische Bedeutung des Eingriffs und über die künftige Anwendung schwangerschaftsverhütender Methoden und Mittel.